Immer öfter haben Sucht- und ähnliche Beratungsstellen mit Patienten zu tun, deren Leben unter ihrer Sucht an Videospielen leidet. Nicht selten fehlt den Mitarbeitern dieser Beratungsstellen der persönliche Bezug zu Videospielen, wodurch sie in der Folge auch nur eingeschränkt in der Lage sind, sich in die Situationen ihrer Patienten zu versetzen um ihre Problem richtig nachzuvollziehen.

Aus diesem Grund, veranstaltete der Fachverband Sucht, am gestrigen Dienstag in Zürich bereits zum dritten Mal ein Coaching für Angehörige unteschiedlicher Sucht- und ähnlichen -Beratungsstellen, zum Thema „Videospiele“. Gecoacht wurden die Besucher von Spielern und angehörigen Spiel-naher Organisationen (Gamerights, SESF uvm.), welche ihnen als „Experten“ durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Gaming, vor allem aber dem Umgang mit Spielen, die Welt der „Gamer“ etwas näher brachten.

Ein essentieller Teil des Coachings war es, die Teilnehmer in einer Art „Selbstexperiment“ in die faszinierende Welt des Vorzeige-Sucht-Titels „World of WarCraft“ einzuführen und sie für sich selber entdecken zu lassen, welche Faszination von solchen Computer-Spielen ausgehen kann. Erfahrungen und Eindrücke wurden danach in einer äusserst Spannenden Diskussion unter den Anwesenden ausgetauscht und debattiert.

Marco Juen und Vinzenz Kögler vom Schweizerischen eSports Verband waren zwei von sieben coaches, welche die elf Kurs-Besucher „unterrichteten“. Sie konzentrierten sich in ihrer Darstellung des Gamings auf die Perspektive des eSports, wo ein exzessives Gaming angesichts eines sportlichen Wettkampfs, strikt vom pathologischen Sucht-Spielen abzugrenzen ist.

Das Coaching fand sehr viel Anklang bei den Coaches als auch bei den Kursbesuchern, welche teilweise schon nach diesen wenigen Stunden Spielen nachvollziehen konnten, welche Faszination von so einer virtuellen Welt ausgehen kann. Wo jedoch die Grenze gezogen werden kann, wann das Spiel-Verhalten eines Gamers als Sucht zu bezeichnen ist oder nicht, ist auch nach diesem Coaching eine ungeklärte Frage. Fest steht, das ähnlich wie beim Umgang mit Online-Süchten, Social-Media und Ähnlichem, der korrekte Umgang auch mit dem Medium „Videospiele“ gelernt sein soll – nicht nur für Kinder, aber auch (vielleicht sogar inbesondere) für Erziehungspersonen.