Am Sonntag dem 11. Mai traf sich im Best Western Hotelbern, das Who-is-Who der Schweizerischen E-Sports Szene, zum ersten Swiss E-Sports Symposium. Ins Leben gerufen wurde das Symposium vom Vorstand des Schweizerischen E-Sports Verbandes, mit dem Ziel, dem Schweizer E-Sports eine Plattform zu bieten, auf welcher sich Organisationen präsentieren, austauschen und vernetzen können. Insbesondere für den Austausch zwischen der Deutschschweiz und der Romandie gab es nie zuvor einen vergleichbaren Anlass.

Einige Organisationen nutzten den für Präsentationen eingeräumten Zeitraum, um sich den Anwesenden vorzustellen. Dabei kamen nicht nur „Alt-Bekannte“ zum Zug, wie beispielsweise die PolyLAN oder den Wgames, sondern auch viele neue Gesichter.

Neue Gesichter lassen aufhorchen

So waren es zumeist genau diese unbekannteren Organisationen welche mit ambitionierten Zielen aufhorchen liessen. Der Zusammenschluss zwischen der Nerd-Kultur-Community „Swiss Geeks“ und der Beat-em-Up-Plattform „Tekken Fieber“ verkündete die laufende Planung einer Grossveranstaltung zur Nerd-Kultur mit eindrücklichem Budget.

Mit Below Zero Tactics (BZT) war eine Rarität am Symposium vertreten – eine E-Sports Organisation aus dem Tessin. Das kleine Kanton im Süden hat allein schon aufgrund seiner „Grösse“, nicht zuletzt vermutlich aber auch wegen des vorteilhaften Wetters, schon immer einen kleinen e-Sports-Fussabdruck. Umso erfreulicher war es zu hören, dass mit BZT endlich wieder eine Community vorhanden ist, welche noch für dieses Jahr das ein oder andere öffentlichkeits-wirksame Event im Tessin plant.

Ein Vertreter aus der Battlefield-auf-der-Konsole-Ecke erlaubte seltene Einblicke in die Lage des Schweizer E-Sports auf den Konsolen. Doch trotz der grossen Verbreitung von Konsolen in den Schweizer Haushalten, mangelt es auch hier an ambitionierten Spielern und Organisatoren mit Wettkampf-Bestreben. Zwar wird es in naher Zukunft wohl leider kaum gelingen, den Konsolen E-Sports aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, aber mit dem am Symposium aufgebauten Bewusstsein für die Konsolen konnte sicherlich ein wichtiger Grundstein gelegt werden.

Ebenso erwähnenswert ist der junge Verein „E-Corp“, der mit der „Institutionalisierung“ des E-Sports durchaus ähnliche Ziele verfolgt wie der SESF selber. Der gemeinsame Traum, eine E-Sports Vereinskultur im Sinne traditioneller Sportarten, allen voran des Fussballs, ist vermutlich noch in weiter Ferne. Auch Nicolas Giller, der Betreiber der ersten und einzigen E-Sports Bar der Schweiz, dem „QWERTZ“, war anwesend um ein paar kurze Infos zu seiner Tätigkeit und seine Engagement zu erzählen. Als eigenständiger Unternehmer im herausfordernden Bereich des E-Sports, insbesondere in der „schwierigen“ Schweiz tätig zu sein, verdient grundsätzlich grössten Respekt.

Kampf der Verbände um die Anerkennung als Sport

Was ist der Zweck eines Verbands? Diese Frage sprach der SESF zu Beginn seiner Präsentation an. Der Verband ist keine Organisation welche den Spielern und Teams vorschreiben möchte was diese wie zu tun haben. Sondern umgekehrt! Spieler, Teams und Organisatoren müssen den Verband wissen lassen, was dieser in ihren Augen zu tun hat. Oder noch genauer gesagt: Spieler, Teams und Organisationen SIND der Verband. Gemeinsam gilt es die Zukunft des E-Sports in der Schweiz zu bauen.

Das erklärte, oberste Ziel: Die Anerkennung des SESF als Sportverband, durch den Schweizerischen Sport-Dachverband, der Swiss Olympic. Was mit einer Anerkennung des E-Sports als „echten“ Sport gleichbedeutend wäre. Das der Internationale E-Sports Verband schon lange, und zuletzt sehr erfolgreich verfolgt (laufendes Beitrittverfahren zum Weltverband der Sportverbände „Sport Accord“, Mitgliedschaft bei der WADA, der World Anti-Doping Agency, etc.), will der SESF mit seinen zukünftigen Tätigkeiten auch in der Schweiz vorantreiben. Das bedeutet in erster Linie: Mitglieder aufnehmen.

So hat der SESF an der gleichntags stattfindenen Generalsversammlung die Statuten so geändert, dass ein umfangreiches Mitgliedschaftsprogramm umgesetzt werden kann, und wird in den nächsten Wochen auch entsprechende Möglichkeiten auf der Homepage freischalten. So soll in Zukunft Jeder kostenlos Mitglied beim SESF werden können. Wieso sollte man das wollen? Als Unterstützung um die Herausforderung einer Swiss Olympic Mitgliedschaft. Um als Verband anerkannt zu werden gibt es eine Reihe von Voraussetzungen welche erfüllt werden müssen. Eine davon ist eine Mitgliederzahl von mindestens 2’000 natürlichen und/oder juristischen Personen (d.h. Vereinen) aus der gesamten Schweiz. Eine Zahl die selbst für die Schweiz alles andere als unmöglich sein sollte.

Wer will, kann als „Premium“-Mitglied einen jährlichen Beitrag zum SESF leisten. Dabei appeliert der SESF zunächst an die „karitative“ Ader der Schweizer E-Sportler, da ausser einem Stimmrecht an der jährlichen Hauptversammlung des SESF, nicht viel geboten werden kann. Aber in Zukunft, mit einem ausgebauten Programm an Veranstaltungen und weiteren Tätigkeiten des Verbandes, sollen für Premium-Mitglieder noch weitere Vorteile folgen (beispielsweise im Zusammenhang mit der angekündigen Swiss E-Sports Masters, Symposien, IeSF Qualifier, etc.).

Swiss E-Sports Masters

Die bereits vor einigen Monaten angekündigte Swiss E-Sports Masters wurde erstmals mit zusätzlichen Details einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Auch hier ist es natürlich ein Teil-Ziel, mit dieser Meisterschaft nicht nur einen langfristigen, gesamt-schweizerischen Bewerb zu realisieren, aber auch den SESF in seiner Bedeutung als Verband zu Stärken.

Im Laufe eines gesamten Jahres sollen Spieler an den Turnieren von Schweizer LAN-Parties Punkte sammeln können, um sich schliesslich für das Offline-Finale zu qualifizieren. An den Playoffs der Swiss E-Sports Masters soll jährlich der offizielle Schweizer Meister in den jeweiligen Disziplinen gekürt werden.

In der abschliessend viel zu kurz ausfallenden Diskussions-Runde wurde beschlossen, eine gemeinsame Plattform für den erleichterten Informationsaustausch, insbesondere zwischen den LAN-Organisatoren, ins Leben zu rufen. In absehbarer Zukunft wird das erstellte Forum sicherlich auch einer breiteren Masse zugänglich gemacht – vermutlich als Teil des Mitglieder-Programms.

Der SESF sucht Verstärkung

Last but not Least, noch ein besonderes Anliegen der Aktiven des SESF. Marco Juen, langjähriger Contributor zur Schweizerischen E-Sports Szene, und zuletzt Mitglied des SESF Vorstands, will sich von seinen operativen Tätigkeiten verabschieden. Zwar bleibt er uns auch in Zukunft sicherlich als helfende Kraft erhalten, doch als treibende Kraft fehlt ihm inzwischen die… Kraft.

Nicht ganz unabhängig davon suchen wir nach aktiven Helfern für den SESF! Ihr seit motiviert den E-Sports in der Schweiz nicht nur zu unterstützen, sondern mit eigenen Ideen, Fleiss und Arbeit aktiv voran zu treiben? Ihr könnt selbstständig und ohne explizite Anweisungen an arbeiten? Ihr habt Fähigkeiten mit denen Ihr glaubt beim SESF aushelfen zu können? Als Grafiker? Coder? Organisator? Englisch ist kein Problem? Womöglich beherrscht ihr neben der eigenen Muttersprache auch noch eine weitere Schweizer Landessprache? Perfekt! Meldet euch, auch wenn ihr nicht jeden der aufgezählten Punkte erfüllt.